Die Erneuerungen der Wegführungen unserer Häuser auf der Bleiche waren abgeschlossen – bis auf die Vorderfront des Hauses Zur Bleiche 14. Hier war auch die Fassade der Frontseite, hinter der sich die Praxis Dr. Eberlein verbirgt, inzwischen ebenfalls erneuerungsbedürftig.
Bei seinen Überlegungen war unserem Chefplaner Thomas Dahm wichtig, dass die Eingangsfront dieses Gewerbeobjektes künftig auch als Arztpraxis ersichtlich sein sollte. Bisher konnte man lediglich an dem Praxisschild erkennen, was sich hinter diesen Türen befindet. Die Optik des Vorbaus wurde als harmonische Ergänzung des Straßenbildes dem daneben liegenden „Klönschnack“ angeglichen.
Natürlich wollten wir nach Fertigstellung des Projektes gern Fotos machen für eine Veröffentlichung hier in unserer FABUmschau. Informationen über die Praxis und das Leben drum herum stellte uns Herr Dr. Eberlein zur Verfügung. Herzlichen Dank dafür!
Am 2. März war es genau 25 Jahre her, dass ich meine Allgemeinarzt-Praxis in der Bleiche 14 eröffnet habe. Das haben wir denn auch gefeiert mit den Patienten in Form eines Empfangs.
Auf die Idee, eine Praxis auf der Rude zu gründen, kam ich gut 5 Jahre früher. Als junger Assistenzarzt, ich war kaum eingezogen auf der Rude, bekam ich einen Anruf von einem Mitglied des Rudeforums, der mir sagte, der Stadtteil brauche dringend einen Arzt, ob ich nicht Lust dazu hätte. Damals musste ich noch meine Facharzt-Weiterbildung beenden. Aber Anfang 1985 dachte ich konkreter darüber nach.
Da passte es sehr gut zusammen, dass der Flensburger Arbeiter-Bauverein plante, die Gaststätte in der Bleiche 14, die wegen Lärmbelästigung viele Klagen von Nachbarn ausgelöst hatte, durch eine Arztpraxis zu ersetzen. Herr Olsen, ein Nachbar von der Bleiche, stellte den Kontakt her, und wir wurden uns schnell einig. Der FAB baute die Räume auf eigene Kosten und in Absprache mit mir um, sodass die Praxis am 2. März 1986 eröffnet werden konnte. Am 2. März deshalb, weil der 1.3. ein Sonntag war – und was für einer. Bitterkalt war es an diesem Wochenende, ich weiß noch genau, dass wir auf der zugefrorenen Förde spazieren gegangen sind!
Die Praxisgründung war nicht ohne Risiko. Bis dahin galt überall die Überzeugung, dass sich auf der Rude kein Arzt halten könne. Das Einzugsgebiet sei zu klein und durch die Bahnschleife abgegrenzt. Aber als Kirchenvorstandsmitglied wusste ich, dass die Bevölkerung der Rude stark überaltert war und rechnete mir aus, dass es deshalb genug zu tun geben würde. Und das gab es auch in all den Jahren.
Die Praxis wuchs schnell, und die Patienten waren überwiegend sehr treu. Reich konnte man dabei nicht werden, denn von 1987 an wurden die Ausgaben der Krankenkassen für die Arzt-Honorare gedeckelt. Ein Kostendämpfungsgesetz jagte das andere, in immer schnelleren Abständen. Eine Honorar-Reform nach der anderen versuchte, den entstehenden und zunehmenden Mangel immer neu auf die Ärzte zu verteilen. Die ärztlichen Leistungen wurden immer mehr pauschaliert vergütet: Nicht jede einzelne Leistung hatte mehr ihren Preis, sondern mehr und mehr Leistungen verschwanden in Pauschalen, die selbst nur einen Punktwert hatten. So wurde es zunehmend egal, ob man für die Patienten viel oder wenig tat, ob man es mit alten, vielfach auch chronisch kranken oder mit jungen, weitgehend gesunden Patienten zu tun hatte: Die Vergütung war immer fast dieselbe. Das ist gut für Ärzte, die viele junge Patienten behandeln, für die Praxis auf der Rude mit ihren vielen alten Patienten bedeutete es aber lange Arbeitszeiten und knappes Geld.
Trotzdem hat sich die Praxis gehalten. Und das ist nicht zuletzt dem FAB zu verdanken, der sich mit Mieterhöhungen zurückhielt, und selbstverständlich den Patienten, die in hohem Maß unserer Praxis die Treue hielten.
Mancher Arzt versuchte seitdem, sein Einkommen zu halten, indem er zunehmend Privatzahler umwarb und für Kassenpatienten weniger tat. Das war nie meine Philosophie. Für mich war das Ausschlaggebende immer, dem kranken Menschen, der sich an mich wandte, möglichst das zu geben, was er brauchte. Dafür bin ich Arzt geworden. Nicht dafür, reichen Leuten Luxusmedizin zu verkaufen. Dennoch habe ich immer ein großes Leistungsspektrum vorgehalten; oft haben mir Patienten, die eine Überweisung zum Facharzt erwartet hatten, überrascht gesagt: „Ach, das machen Sie auch selber? Dann spare ich ja den Weg!“ Und viele haben von meinem Angebot profitiert. Zum Beispiel von Akupunktur, psychotherapeutischen Gesprächen oder auch von Ultraschall-Untersuchungen der Blutgefäße, kleinen Eingriffen und Wundversorgungen, Diabetes-Therapie und vielem mehr.
In den vergangenen 25 Jahren boten die Praxisräume noch anderen Anbietern Platz: Von 1993 bis 1998 praktizierte in den vorderen Räumen eine Psychotherapeutin, Frau Malzer-Gertz, und einige Zeit auch ihre Kollegin Frau Mittmann-Heimberg. Und von 2009 bis Juni 2011 boten in den straßenseitigen Räumen die Kosmetikerin Frau Simpson und die Fußpflegerin Frau Petersen ihre Dienste an. Wir werden sehen, wer nun die Räume mit dem schönen neuen Entree mieten wird.
Herzliche Grüße, Dr. med. Eberlein
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